Die Amsel ist einer der bekanntesten Gartenvögel. Im Winter sitzt sie oft am Boden unter der Futterstelle und pickt auf, was andere fallen lassen. Viele denken, das reicht. Doch Amseln brauchen anderes Futter als Meisen und Spatzen. Hier erfährst du, was Amseln fressen, wie du sie richtig fütterst und welche Fehler du vermeiden solltest.
1. Was Amseln von Natur aus fressen
Amseln sind etwa 24 Zentimeter lang und wiegen rund 100 Gramm. Das Männchen ist schwarz mit gelbem Schnabel und gelbem Augenring, das Weibchen braun mit hellerer, gefleckter Brust. Ihr Speiseplan wechselt mit der Jahreszeit:
| Jahreszeit | Hauptnahrung |
|---|---|
| Frühjahr und Sommer | Regenwürmer, Insekten und ihre Larven, Schnecken, Spinnen |
| Spätsommer und Herbst | Beeren, Fallobst, weiterhin Würmer und Insekten |
| Winter | Beeren an Sträuchern, Fallobst, weiches Futter an der Futterstelle |
Typisch ist die Nahrungssuche am Boden. Amseln hüpfen über den Rasen, legen den Kopf schief und ziehen Regenwürmer aus der Erde. Im Laub wühlen sie nach Insekten. Bei Frost und Schnee ist der Boden hart, und genau dann wird es für sie knapp.
2. Das beste Futter für Amseln im Winter
Amseln haben einen schmalen, weichen Schnabel. Harte Körner und Kerne mit Schale können sie kaum öffnen. Der Landesbund für Vogelschutz nennt deshalb Weichfutter als bevorzugte Nahrung für Amseln und Rotkehlchen: Äpfel, Rosinen und Getreideflocken.
| Futter | Eignung für Amseln | Hinweis |
|---|---|---|
| Äpfel und Birnen | sehr gut | halbiert oder in Stücken, weiches Fallobst ja, angefaultes oder schimmeliges nicht |
| Rosinen | sehr gut | pur, ohne Zuckerglasur oder Öl-Überzug |
| Haferflocken | gut | roh, ungesalzen, nie gekocht |
| Getrocknete Insekten | sehr gut | im Herbst und Winter trocken anbieten |
| Schalenloses Körnerfutter mit Flocken | gut | Amseln picken vor allem Flocken und Rosinen heraus |
| Ganze harte Körner, Kerne mit Schale | kaum | bleiben liegen und locken Tauben und Nager an |
Haferflocken bietest du roh und trocken an, so wie sie aus der Packung kommen. Gekocht oder in Milch eingeweicht sind sie ungeeignet.
Rosinen kannst du pur geben. Achte nur darauf, dass sie nicht mit Zucker oder Öl überzogen sind und nicht schimmeln. Kombinierst du Obst, Flocken, Rosinen und Insekten, deckst du den Bedarf der Amsel im Winter gut ab, und auch Rotkehlchen und Heckenbraunellen profitieren davon.

Geschälte Sonnenblumenkerne, Erdnüsse, Weizen-, Hafer- und Maisflocken und Rosinen, verfeinert mit Rapsöl. 14,1 % Rohprotein, 12,3 % Rohfett. In 10, 20 oder 40 kg.
3. Bodenfütterung richtig gemacht
Amseln fressen am liebsten am Boden. Ein hängendes Futtersilo nutzen sie kaum. Damit die Bodenfütterung hygienisch bleibt und möglichst wenig Nager anlockt, beachte diese Punkte:
- Flache Schale statt Streufutter: Eine flache Schale oder ein Bodenfutterspender hält das Futter zusammen. Lose verstreutes Futter wird schnell nass und schmutzig.
- Frei einsehbar: Stelle die Schale auf eine offene Fläche, damit sich Katzen nicht so leicht unbemerkt anschleichen können. Ein Strauch als Fluchtort sollte in 2 bis 3 Metern Abstand stehen.
- Tagesration: Gib nur so viel, wie bis zum Abend gefressen wird. Reste über Nacht locken Mäuse und Ratten an.
- Täglich reinigen: Reste und Kot jeden Tag entfernen, die Schale regelmäßig mit heißem Wasser auswaschen.
- Trocken halten: Bei Regen und Schnee hilft eine Bodenstelle mit kleinem Dach oder ein Platz unter einem Vordach.
Die Futterschale gehört nicht direkt unter das Futterhaus der Meisen. Dort landet ohnehin, was oben herunterfällt, und der Platz wird schnell schmutzig. Eine eigene Bodenstelle ein paar Meter weiter ist sauberer und entspannter für alle Vögel.
Wie du die Futterstelle für Nager und Tauben uninteressant machst, liest du in Vögel füttern ohne Ratten und Tauben.
4. Obst richtig anbieten
Äpfel sind das klassische Amselfutter. Im Herbst kannst du Fallobst sammeln und kühl lagern, um es im Winter nach und nach auszulegen. So geht es:
- Halbieren oder vierteln: Schnittflächen machen das Fruchtfleisch leichter zugänglich.
- Am Boden auslegen: Lege die Stücke in die Schale oder direkt auf eine freie Rasenfläche.
- Schimmel entfernen: Weiches, angedrücktes Obst ist in Ordnung, verschimmeltes nicht.
- Regelmäßig erneuern: Gefrorene Äpfel tauen auf und werden matschig. Lege lieber öfter kleine Mengen nach.
Noch besser als ausgelegtes Obst sind beerentragende Sträucher im Garten. Weißdorn, Eberesche, Holunder und Hundsrose tragen bis in den Winter Früchte und bieten gleichzeitig Deckung.

5. Insekten als Eiweißquelle
Im Sommer fressen Amseln vor allem Würmer und Insekten. Im Winter fehlen genau diese Eiweißlieferanten. Getrocknete Insekten schließen die Lücke. Larven der Schwarzen Soldatenfliege enthalten viel Eiweiß und Fett und werden von Weichfressern gern genommen.
Im Herbst und Winter bietest du die Larven trocken in einer flachen Schale am Boden an. Einweichen ist nur in der Brutzeit sinnvoll, wenn die Altvögel Futter für die Nestlinge sammeln. Im Ratgeber Was fressen Rotkehlchen? liest du mehr über Weichfresser.

100 % getrocknete Larven der Schwarzen Soldatenfliege, 40 % Rohprotein, 37 % Rohfett. In 1, 2 oder 5 kg.
6. Was Amseln nicht bekommen sollten
Nicht alles, was in der Küche übrig bleibt, ist für Vögel geeignet. Laut LBV gehören altes Brot und Essensreste nicht an die Futterstelle, weil Salz und Gewürze den meisten Vögeln schaden.
- Brot und Kuchen: kaum Nährstoffe, quellen im Magen auf, schimmeln schnell.
- Gesalzenes und Gewürztes: Wurst, Käserinden mit Salz, Chips, gesalzene Nüsse.
- Milch: Vögel können Milch nicht richtig verdauen.
- Gekochter Haferbrei: wird zu klebrig. Haferflocken immer roh anbieten.
- Verschimmeltes Futter: Schimmelpilze können Vögel krank machen.
7. Hygiene und das Usutu-Virus
Seit 2011 sterben in Deutschland immer wieder viele Amseln am Usutu-Virus. Im Sommer 2011 waren es allein im Raum Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe schätzungsweise 40.000 Tiere. Übertragen wird das Virus von Stechmücken, nicht von Vogel zu Vogel. Besonders gefährdet sind Amseln im Spätsommer und Frühherbst. Erkrankte Tiere wirken apathisch und sterben meist innerhalb weniger Tage.
Gegen Usutu hilft keine Futterhygiene. Trotzdem ist eine saubere Futterstelle wichtig: Andere Krankheitserreger wie Salmonellen verbreiten sich über verschmutztes, feuchtes Futter und Kot. Reinige Schalen und Futterhäuser deshalb regelmäßig mit heißem Wasser und ohne Chemie. Tote oder kranke Amseln kannst du dem NABU melden. Die Meldungen helfen, die Ausbreitung zu verfolgen.
8. Amseln im Frühjahr und Sommer
Die Winterfütterung kannst du bis in den März oder April fortsetzen. Im Frühjahr sind die Vorräte der Natur aufgebraucht, und die Brutzeit beginnt. Danach lässt du die Fütterung über einige Wochen auslaufen oder fütterst ganzjährig weiter, dann aber angepasst:
- Mehr Insekten: In der Brutzeit brauchen Jungvögel Eiweiß. Getrocknete Larven weichst du jetzt kurz in Wasser ein.
- Fett sparsam: Fettfutter wird bei Wärme schnell ranzig. Biete es von April bis Juli nur sparsam und im Schatten an.
- Wasser anbieten: Eine flache Tränke zum Trinken und Baden nutzen Amseln das ganze Jahr.
Alles Wichtige zur Winterfütterung aller Gartenvögel findest du in Vögel füttern im Winter – wann, was und wie viel.
9. Häufige Fragen
Was fressen Amseln im Winter?
Im Winter finden Amseln kaum Regenwürmer und Insekten. Sie fressen dann Beeren, Fallobst und weiches Futter. An der Futterstelle nehmen sie gern Äpfel, Rosinen, Haferflocken und getrocknete Insekten. Harte Körner können sie mit ihrem Schnabel kaum knacken.
Wie füttere ich Amseln richtig?
Am besten am Boden in einer flachen Schale oder einem Bodenfutterspender, frei einsehbar und mit Deckung in der Nähe. Gib nur so viel, wie an einem Tag gefressen wird, und reinige die Schale täglich.
Dürfen Amseln Brot essen?
Nein. Brot liefert kaum Nährstoffe und quillt im Magen auf, gesalzene Reste schaden zusätzlich. Altes Brot und Essensreste gehören laut Landesbund für Vogelschutz nicht an die Futterstelle.
Fressen Amseln Haferflocken?
Ja, Haferflocken gehören zum Weichfutter, das Amseln mögen. Biete sie roh und ungesalzen an, nie gekocht oder in Milch eingeweicht. Biete sie trocken an.
Fressen Amseln Meisenknödel?
Gelegentlich picken Amseln Fettfutter vom Boden auf. An hängenden Knödeln können sie sich aber schlecht festhalten. Für Amseln sind Obst, Haferflocken, Rosinen und Insekten in einer Bodenschale die bessere Wahl.
Warum sieht man im Spätsommer manchmal kranke Amseln?
Oft steckt das Usutu-Virus dahinter. Es wird von Stechmücken übertragen, nicht von Vogel zu Vogel. Erkrankte Amseln wirken apathisch und sterben meist innerhalb weniger Tage. Betroffen sind vor allem Spätsommer und Frühherbst.
Quellen: LBV: Fragen zur Vogelfütterung · heidelberg24: Sind Haferflocken geeignet? (NABU) · Spektrum der Wissenschaft: Das stille Sterben der Amseln · RSPB: Food fit for birds · Plantura: Amsel-Steckbrief



















































